Naturheilkunde...

Der wichtigste Grundsatz lautet: "Similia similibus curentur."

Auf deutsch: "Ähnliches möge mit Ähnlichem geheilt werden." D.h. eine Krankheit wird mit einer homöopathischen Substanz behandelt, welche, am gesunden Menschen verabreicht, ähnliche Symptome hervorruft wie diese Krankheit.

Zur Erklärung dieser Regel ein Beispiel:
Wenn Sie von einer Biene gestochen werden, werden Sie - je nach individueller Empfindlichkeit - eine rasche Schwellung des gestochenen Teiles, brennende, stechende Schmerzen, grosse Berührungsempfindlichkeit und eine Verschlimmerung durch Wärme, jedoch eine Besserung durch Kälte beobachten. Wenn nun ein Patient eine Krankheit mit obigen Symptomen aufweist (z.B. Nesselfieber, Gelenkentzündung etc.) wird ihm das homöopathische Mittel Apis (Bienengift) schnell helfen.

Oft wird irrtümlicherweise geglaubt, die Homöopathie sei identisch mit Naturheilkunde und sei ein anderer Ausdruck für Pflanzenheilkunde (Phytotherapie), Akupunktur, Fussreflexzonenmassage, Bachblütentherapie, Kinesiologie, etc. Die Homöopathie ist jedoch eine eigenständige Heilmethode mit eigenen Gesetzen. Sie hat mit diesen Heilverfahren nichts zu tun.
Haben Sie noch keine Kenntnisse über die klassische Homöopathie, so empfehlen wir Ihnen als Einführung das Buch "klassische Homöopathie
verstehen". Darin wird diese Heilmethode ausführlich und leicht verständlich vorgestellt.
 
Das homöopathische Arzneimittel
Es gibt ca. 2000 geprüfte homöopathische Mittel. Sie werden speziell zubereitet. Die Substanzen werden stufenweise verdünnt und verschüttelt (Potenzierung). Bei diesem Vorgang werden die Heilkräfte des Medikamentes verstärkt.
 
Die homöopathischen Arzneimittel werden hergestellt aus:
Pflanzen, z.B. Sturmhut (Aconitum), Tollkirsche (Belladonna), Küchenschelle (Pulsatilla),
Tieren, z.B. Bienengift (Apis), Buschmeisterschlangengift (Lachesis),
Metallen, z.B. Kupfer (Cuprum metallicum), Gold (Aurum metallicum),
Mineralien, z.B. Kieselsäure (Silicea), Kalk (Calcium carbonicum), Schwefel (Sulphur).
Auch durch Krankheiten produzierte Stoffe (Nosoden) kommen zur Anwendung.
 
 
Die homöopathische Selbstbehandlung
Die Homöopathie ist eine Heilmethode, welche sowohl bei akuten wie auch bei chronischen Erkrankungen erfolgreich eingesetzt werden kann. Während chronische und immer wiederkehrende Erkrankungen (z.B. Rheuma, Heuschnupfen, chronische Blasenentzündungen, Migräne etc.) in die Hände eines erfahrenen Homöopathen gehören, können einfachere akute Erkrankungen (z.B. Fieber, Erkältungen, Magen-Darmbeschwerden, Insektenstiche etc.) in einem gewissen Ausmass eigenverantwortlich behandelt werden.

Allerdings gilt es immer wieder neu zu überdenken, ob eine medikamentöse Behandlung, auch wenn sie mit homöopathischen Mitteln geschieht, notwendig ist. In der Regel besitzt der Organismus genügend Kraft, sich bei kleineren Unpässlichkeiten selbst zu heilen.

Die Erfahrung zeigt, dass oft zu früh zu Mitteln gegriffen wird. Interessanterweise ist gerade dann die Mittelwahl besonders schwierig, da sich die Symptome und das entsprechende "Mittelbild" noch nicht voll entwickelt haben.

Primär sollten die Selbstheilungskräfte des Patienten evtl. mit Hausmitteln wie Tees, Wickeln, Bädern etc. unterstützt werden. Erst wenn dies nicht ausreicht, respektive die Symptome unerträglich sind, sollte zu homöopathischen Mitteln gegriffen werden.

Alles und jedes mit den Mitteln aus der Hausapotheke behandeln zu wollen, ist nicht ratsam.
Damit wird der Organismus von zu vielen energetischen Informationen überhäuft und kann im Notfall nicht mehr gleich gut auf das notwendige homöopathische Mittel reagieren.

Wenn Sie die Grundsätze der klassischen Homöopathie kennen und entsprechend das richtige Heilmittel auswählen und verabreichen, werden Sie erfolgreich einfachere gesundheitliche Störungen selbst behandeln können.

In schweren, lebensbedrohlichen Krankheitssituationen ersetzt die Hausapotheke unter keinen Umständen den Arzt.
Hier kann höchstens bis zu dessen Eintreffen ein Mittel lindernd eingesetzt werden.
Falls eine Krankheit regelmässig auftritt und immer wieder mit einem homöopathischen Mittel selbst behandelt wird, heisst es, dass die Krankheit nicht ganz geheilt ist. Hier braucht es ein tiefer wirkendes Medikament, welches nur mit einer ausführlichen Fallaufnahme durch den Homöopathen verschrieben werden kann.

Mit der homöopathischen Hausapotheke haben Sie auch einen Grundstock an homöopathischen Mitteln zuhause, die sie in schwierigeren Situationen nach Absprache mit Ihrem Homöopathen sofort verabreichen können.

Falls Sie bereits in einer homöopathischen Behandlung sind, sollten Sie ohne Rücksprache oder Einverständnis mit Ihrem Homöopathen keine Mittel aus der Hausapotheke nehmen.
Sonst könnte die Heilwirkung des von ihm verabreichten Mittels gestört oder unterdrückt werden.
 
 
Die Auswahl des homöopathischen Mittels
Um das richtige homöopathische Mittel zu finden, wird nicht nach dem Krankheitsnamen, bzw. nach der Diagnose gesucht. Wegweisend sind die individuellen Symptome des Patienten.
D.h. es ist weniger wichtig, welche Krankheit der Patient hat, sondern wie sich die betreffende Krankheit beim Patienten äussert. Dabei wird jeder Patient als individuelle Persönlichkeit betrachtet. Es ist durchaus möglich, dass von 5 Patienten, welche an derselben Krankheit (z.B. Durchfall) leiden, jeder aufgrund der individuellen Symptomatik ein anderes Mittel braucht. Als erstes ist eine genaue Beobachtung und eine ausführliche Befragung des Patienten nötig.
      

Welche Krankheit hat er?
(Durchfall, Fieber, Halsschmerzen...)

Wie ist sein Aussehen?
(Bleich, gerötet, aufgedunsen, Ausschläge ..)

Was hat die Beschwerden ausgelöst?
(Verletzung, Nahrungsmittel, Hitze, Kälte, Stress ...)

Wie verhält sich der Patient?
(Apathisch, ängstlich, aufgeregt, ärgerlich, aggressiv, braucht er Gesellschaft, will er alleine sein...)

Was empfindet der Patient?
(Frieren, Schwitzen, Jucken, Stechen ...)

Welcher Art sind die Schmerzen?
(Pulsierend, stechend, brennend, ziehend ...)

Was bessert (B:), was verschlimmert (V:) die Beschwerden?
(Wärme, Kälte, Ruhe, Bewegung, Tages-, Nachtzeiten ...)
 
 

Aufgrund dieser Beobachtungen suchen Sie nun das richtige Mittel.

Schauen Sie in der Indikationsliste nach, welche Mittel bei diesen Beschwerden zur Auswahl stehen.

Wählen Sie die Mittel, welche am besten mit dem Symptomenbild übereinstimmen.

Suchen Sie die entsprechenden Mittel auf und vergleichen Sie diese mit den Symptomen und Beschwerden des Patienten. Das Mittel, welches dem Krankheitsbild am ähnlichsten ist, ist mit grösster Wahrscheinlichkeit das richtige.

Es kann in vereinzelten Fällen vorkommen, dass Sie kein passendes Mittel finden. Manchmal ist es auch schwierig, sich für ein Mittel zu entscheiden, da zwei oder drei in Frage kommen. Meistens hilft Ihnen in dieser Situation eine nochmalige, genauere Beobachtung oder Befragung des Patienten weiter.

Falls das ausgewählte Mittel ungenügenden Erfolg zeigt, so entscheiden Sie sich für das nächstfolgende. Allerdings sollten sie es vermeiden, viele verschiedene Mittel durchzuprobieren. Je mehr verschiedene Mittel dem Organismus zugeführt werden, um so schwieriger kann dieser auf das schlussendlich richtige reagieren.

Sollten Sie das entsprechende Mittel nicht finden, nehmen Sie mit Ihrem Homöopathen Kontakt auf.
 
 
Die Wirkungsprofile homöopathischer Mittel
Auswahl und Anwendung homöopathischer Arzneimittel erfordern die Betrachtung gewisser Kriterien, um das therapeutische Potential der Homöopathie optimal einsetzten zu können. Grundsätzlich stellt die Homöopathie eine Behandlungsmöglichkeit innerhalb des gesamten Spektrums der zu Verfügung stehenden Therapiemaßnahmen dar. wobei sie nach derzeitigem Erkenntnisstand als eine Reiz- und Regulationstherapie interpretiert werden muß.

Grobschematisch lassen sich die Wirkungsprofile homöopathischer Arzneimittel in drei Gruppen einteilen, was zugleich die Wirkungsrichtung und deren therapeutischen Umfang zu verdeutlichen hilft; die Übergänge zwischen den einzelnen Gruppen sind dabei fließend.

1. Organotropie/Histiotropie   
Die Wirkung dieser Arzneimittel richtet sich auf ein Organsystem resp. Gewebe; oftmals können die damit verbundenen Erkrankungen mit einigen wenigen, jedoch typischen Symptomen ("Syndrom") charakterisiert werden, weshalb in der homöopatischen Literatur dafür auch der Begriff "bewährte Indikation" verwendet wird.

2. Funktiotropie
Der Anwendungsbereich dieser Arzneimittelgruppe geht über deb Organ/Gewebszug hinaus und nimmt Regulationsmechanismen (nerval, humoral) zum Ansatzpunkt. Auslöser (Causa) der Beschwerden und durchgängig bessernde/verschlechternde einflüsse (Modalitäten) sind besondere Merkmale zur Differenzierung.

3. Personotropie
Bei der Auswahl dieser Arzneimittel sind - neben der unter 1. und 2. aufgeführten - vor allem die Kriterien Konstitution, Disposition und Diathese zu berücksichtigen, was eine homöopathische exakte Statuserhebung (biographische Anamnese) in besonderem Maße vorraussetzt. Wegen der umfassenden Wirkung personotroper Arzneimittel werden sie auch als Polychreste ( = viel verwendetes Mittel) sowie als Konstitutionsmittel bezeichnet.


Die Medikamenteneinnahme
Es gibt mehrere Punkte, die bei einer Medikamenteneinnahme zu beachten sind und wesentlich zum Erfolg der Behandlung beitragen. In der klassischen Homöopathie wird nur ein Mittel gleichzeitig verabreicht.
 
- Die Medikamente sollten nicht mit der Hand berührt werden, da die Globuli (Kügelchen) mit dem entsprechenden Heilmittel imprägniert sind. Am besten entnehmen Sie diese, indem Sie die Globuli auf einen Plastiklöffel geben oder in den Fläschchendeckel kippen.
- Nehmen Sie das Medikament nur bei sauberem Mund ein; nie direkt nach dem Zähneputzen.
- Vor und nach der Einnahme des Mittels sollten Sie 30 Minuten nicht rauchen, essen oder trinken. In akuten Situationen, z.B. nach einem Unfall, kann selbstverständlich sofort eine Gabeverabreicht werden.
- Lassen Sie das Medikament langsam im Mund zergehen.
- Verzichten Sie auf gleichzeitige Anwendungen mit Kampfer (z.B. Dul-X, Vicks, Pulmex, Migränestifte etc.).
- Ebenfalls zu vermeiden sind ätherische Öle und der Genuss von Kaffee. Diese können die Wirkung der homöopathischen Arzneimittel aufheben oder erheblich schwächen.
 
 
Die richtige Dosierung
Für die Akutbehandlung hat sich die Potenz C30, bei Arnica die C200 bewährt. Die normale Dosis für Erwachsene wie auch für Kinder beträgt 3-5 Globuli.
In akuten Fällen können die Globuli in einem Glas (ca. 2 dl) Wasser aufgelöst und davon alle 15 Minuten ein Schluck bis zur Besserung getrunken werden. Meistens tritt eine Besserung innert 2-3 Stunden ein.
Oft reicht eine einzige Gabe. Falls nötig, kann das Mittel nach 3 Stunden wiederholt werden. Sobald eine Besserung eintritt, darf kein weiteres Mittel mehr verabreicht werden, auch wenn die Symptome noch nicht ganz verschwunden sind.
Dies ist etwas ungewohnt. Die Regel der minimalen Dosis ist jedoch sehr wichtig. Mit dem homöopathischen Mittel wird der Organismus angeregt sich selbst zu heilen. Wiederholt man die Mittelgabe zu häufig, wird der harmonische Heilungsablauf gestört.


Unter einer Besserung versteht man Folgendes:
Die Krankheitssymptome haben sich vermindert.
Die psychische Verfassung des Patienten ist besser oder er schläft ein. Selbst wenn die Krankheitssymptome unverändert sind (z.B. Fieber immer noch gleich hoch), ist von einer weiteren Gabe abzusehen. Beachten Sie zudem: Nie einen schlafenden Patienten für die Mitteleinnahme aufwecken!
Ein Hautausschlag, Schweissausbruch oder Ausfluss tritt auf. Hier handelt es sich um Heilreaktionen des Körpers. Sie sind als positives Zeichen anzusehen und stellen eine Art Ventil oder "Selbstreinigung" dar. Der Organismus ist dabei, sich zu entlasten, und der Patient fühlt sich anschliessend leichter. Erst bei einem Rückfall können Sie nochmals eine weitere Dosis des ausgewählten Mittels verabreichen, falls es durch das Symptomenbild noch angezeigt ist. Haben sich die Symptome verändert, so muss ein neues, passenderes Mittel gesucht werden.
Selten tritt nach der Verabreichung eines Mittels eine Verschlimmerung der Beschwerden auf. Dies ist jedoch meistens nur von kurzer Dauer. In der Regel tritt danach schnell eine Besserung ein


Die Aufbewahrung der homöopathischen Mittel
Die homöopathischen Heilmittel sind unbeschränkt haltbar, sofern sie richtig aufbewahrt werden.
Beachten Sie bitte folgende Punkte:
- Die Mittel dürfen nie der Sonne oder Hitze ausgesetzt werden!
- Die Mittel müssen vor Licht und Feuchtigkeit geschützt werden!
- Die Mittel sollten nicht in der Nähe von stark riechenden Substanzen (z.B. Parfums, Reinigungsmittel, ätherische Öle etc.) aufbewahrt werden!


Die Wirkungsgruppen homöopathischer Mittel
Die einzelnen Arzneimittel werden nach folgender Systematik dargestellt:
 
- Bezeichnung des Arzneimittels und die in der homöopathischen Nomenklatur übliche Abkürzung
- Chemische, botanische oder zoologische Fachbezeichnung, Synonyma, deutscher Namen sowie Zugehörigkeit
- Herkunft oder Vorkommen des Arzneigrundstoffes
- Inhaltsstoffe des Arzneigrundstoffes; Herstellung des Arzneimittels gemäß Vorschriften des homöopatischen Arzneimittels gemäß Vorschriften des homöopathischen Arzneibuches sowie seiner Nachträge (HAB1)
- Arzneistärke; Darreichungsform (niedrigste orale/parenterale Potenz)
- Bezug (Wirkungsrichtung des Arzneimittels)
- Auslöser (Causa)
- Leitsymtomatik (Charakteristika)
- Modalitäten
- Klinische Indikartionen; objektive und subjektive Symptome
- Wesentlichste Differentialtherapie